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Auszug
aus dem St. Galler Tagblatt mit |
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Montag, 26. August 2002 |
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Drachenkämpfe und MärchenschlösserDrehorgelfest in der Altstadt, Strassenmalfestival in der Marktgasse, Drachentreffen auf dem BreitfeldEr will einfach nicht in den Himmel hinauf, der gute Aloisius. Das gilt nicht nur vom Münchner Dienstmann, der das Mass auf Erden dem Manna des Himmels vorzieht. Auch Karl Pensels Drachen mit dem Aloisius-Gesicht scheint die Nähe zu Festwirtschaft auf dem Breitfeld vorzuziehen. Es ist alles etwas anders als sonst an diesem Samstag. Der Gassenbummel wird vom Klang von gegen vierzig Drehorgeln begleitet. Dort, wo früher die Gassenbrunnen plätscherten, stehen die Spielleute, drehen ihren Leierkasten, wirken in ihren Kostümen, als ob sie mit dem Rad der Orgel auch die Zeit hundert Jahre zurückdrehen könnten. Stadt als SpielplatzAuch die Marktgasse wirkt an diesem Tag wie verwandelt. Um zwölf Uhr mittags beschliesst Paula, ein Kindergartenmädchen, ihr Asphaltbild sei nun vollendet. Sie hat einen bunten Blumenstrauss auf die Strasse gemalt, darüber einen strahlend blauen Himmel. Ihre Schwes-ter, die Drittklässlerin Anica, braucht noch etwas länger, und am Nachmittag wird das Malfieber auch noch die Mutter einholen. Drehorgler und Strassenmaler scheinen ein anderes Zeitgefühl herbeizuzaubern. Passanten, die mit vollen Taschen eben noch durch die Marktgasse eilen wollten, bleiben stehen, lassen sich packen von den Sonnen, Blumen, Märchenschlössern auf dem Asphalt. Stadt und Breitfeld sind zu grossen Spielplätzen geworden: René Bolzern singt mit seinem lyrischen Tenor das Lied von der weiten Welt und der Lust am Vagabunden-Leben. Cornelia Pioda malt eine Märchenfee auf den Boden der Gasse. Während Alek Tobler gerade erlebt, wie sich sein Drache im Rokkaku-Kampf bewährt, bei dem ein Dutzend spezieller Einleiner versuchen, einander zu Boden zu drücken. Kobolde gegen den «Teeror»Wettbewerb, Fest und gleichzeitig auch Ideenbörse:
Von Cäsar Käppeli aus Wohlen erfährt der Passant, wie viel Zeit etwa der Bau
einer eigenen Drehorgel benötigt: gut acht volle
Arbeitsmonate. Karlheinz und Brigitte Riess aus Sigmaringen verraten, wie man
auf zwei Orgeln das gleiche Lied synchron spielen kann: dank ehelicher Harmonie.
Informativ auch die Drachenschau, die an die Flugplatzvergangenheit des
Breitfelds erinnert. Minimodelle tummeln sich neben mächtigen Kastendrachen;
Windspiele zeigen, welch grosse Wirkung der kleinste Hauch schon haben kann. In
der Marktgasse treiben nicht die Drachen, sondern die Kobolde ihr Spiel. Ueli
Gut lässt auf seinem Kreidebild den Asphalt aufbrechen, zwei Wichtel
erscheinen, die den Boden in einen Garten verwandeln. «Das ist Teeror»,
schreiben sie dorthin, wo der Teer noch stärker ist als ihre Fantasie.
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